Running Gag
HomeGreyhoundIrish WolfhoundZuchtErinnerungEnglish Pages English Pages

CACIL/CCLA in Pichl/AT

Der FCW veranstaltete diesen Herbst ein weiteres Coursing auf uns unbekanntem Gelände und so meldeten wir auch hier in dem Vertrauen auf zwei schöne und sichere Läufe. Wir sollten uns sehr täuschen und diese Veranstaltung würde ich zu gerne aus unserem Erfahrungsschatz streichen.

Die Attacke kam nur für uns unerwartet …

Es hatte die ganze Nacht stark geregnet und das Gelände war gut durchnässt. Im Startbereich war besonders tiefer Boden und ich hatte alle Mühe, Lilly im Zaum zu halten. Ungeduldiges Startpersonal feuerte mich an, mich doch schneller zum Start zu begeben, das hob die Laune noch zusätzlich. Als ich Lilly endlich an die Startlinie bugsiert hatte, war sie so ungestüm, dass ich die Wahl hatte, von ihr auf dem morastigen Boden umgeworfen zu werden und völliges Kuddelmuddel zu verursachen oder sie zu früh starten zu lassen und auf den Beinen zu bleiben. Ich gestehe, es war eine Instinktentscheidung die in Sekundenbruchteilen gefällt und umgesetzt wurde: Frühstart …

Erst viel später sah ich am Video, dass Lilly schon im Startbereich Lunte gerochen hatte und ihrer Mitläuferin, BiddyRhu, auszuweichen versuchte. Durch den Frühstart konnte Lilly lange Zeit entkommen und der Angriff von BiddyRhu erfolgte an einer Stelle an der ich sie genausowenig wahrgenommen habe, wie die Richterinnen. Nur die Besitzerin von Biddy sagte schon kurz nach dem Start „Ach, sie stänkert schon wieder …“. 

Lilly kam deutlich vor BiddyRhu ins Ziel und geistesgegenwärtig bat ich darum, Lilly als erstes abholen zu können. Die hat sich zwar brav auf „Hasi“ konzentriert, doch als ich bei ihr war um sie anzuleinen, konnte ich sehen, dass sie nur darauf wartete, dass die Rauferin sich ihr nähern würde …

Einfach nur unsportlich.

Eine Freundin, die leider erst nach dem ersten Lauf der Irish Wolfhounds zum Coursing kam, erklärte mir, dass BiddyRhu schon vor längerem auf der Bahn immer wieder unsauber gelaufen wäre, es eine Zeit lang beim Coursing gut gegangen wäre, aber sie bereits dieses Frühjahr auch bei einem Coursing angegriffen hätte. Es würden inzwischen eigentlich alle wissen, dass diese Hündin nicht sauber läuft …

Niemand weiss, was passiert, wenn man die Hunde startet. Ein Zusammenstoss kann immer passieren, auch ohne Angriff. Dass man aber wissentlich einen Raufer in den Bewerb schickt, ist unsportlich und beiden Hunden gegenüber verantwortungslos.

Die Hündin wurde im zweiten Durchgang übrigens zurückgezogen … Damit „so etwas wie mit Lilly nicht noch einmal passiere.“ Das hat mir die Besitzerin der verschonten Hündin, Pavliná, kopfschüttelnd mitgeteilt.

Da ich den Angriff von meiner Position aus nicht sehen konnte und nicht wusste, dass Lilly zu Boden ging und auch mein Mann nicht viel gesehen hatte, da er gefilmt hat, hab ich sie beim Abgehen zwar genau beobachtet, da Lilly aber offensichtlich noch so unter Adrenalin stand, dass sie keine Schmerzen signalisierte, trabte ich mit ihr wie gewohnt gute 10 Minuten durch die Gegend und brachte Lilly anschliessend zum Pausieren ins Auto.

2. DG - Gerade noch durch …

Im zweiten Durchgang sollte Lilly mit Qasey laufen. Beim Aufwärmen war sie so enthusiastisch, dass eine Gangwerkskontrolle unmöglich war und offensichtlich ist auch sonst niemandem etwas aufgefallen. Am Weg zum Start machte mich das Startpersonal noch höflich darauf aufmerksam, dass ich diesmal einen Frühstart unterlassen solle. Es geht wirklich nichts über kompetente Anweisungen von Menschen, die noch nie einen IW gestartet haben …

Da ich auch nachdem Qasey los lief, immer noch auf das Startsignal wartete, gab es zum Ausgleich einen Spätstart. Lilly bog folgerichtig scharf rechts ab und - blieb mitten im Feld stehen! Mir lief es heiss und kalt über den Rücken, Lilly war noch nie stehen geblieben, sie musste Schmerzen haben. Tatsächlich sah ich, dass sie, als sie wieder loslaufen wollte, heftig lahmte. Trotzdem beendete sie den Lauf und ich hatte immer noch Mühe, sie von „Hasi“ weg zu bringen.

Trotz genauem Absuchen und Abtasten konnte ich keine Verletzung ausmachen. Sämtliche Pfoten schienen in Ordnung zu sein, die Ursache des Schmerzes liess sich nicht lokalisieren. Ich brachte Lilly also erstmal ins Auto, verabreichte ihr ein Traumeel und ging dann zurück zum Startbereich. In der Linie, die Lilly bei ihrem Abkürzen genommen hatte, lag ein Steinhaufen!!! Ich traute meinen Augen nicht. Ein paar grössere Steine waren zusammengelegt, offensichtlich zusammengesammelt, und vom Schlamm so eingefärbt, dass sie kaum wahrzunehmen waren. Ich vermutete also, dass Lilly beim durchstarten gegen die Steine geknallt sein musste.

Bei Ansicht des Videos war ich mir dann aber gar nicht mehr sicher. Ich kann keine Verzögerung wahrnehmen und inzwischen vermute ich, dass sie sich beim Crash im ersten Durchgang stark geprellt hatte und dann irgendeine „falsche“ Bewegung gemacht hat, die ihr diese Prellung ins Bewusstsein gerufen hat. Die verbogene Zehe, die ich dann noch feststellen konnte, stammt möglicherweise vom Kreuzen der Schnur auf den letzten Metern.

Ich weiss aber auch, dass sich eine ältere Barsoihündin, die bei ihrem Trainingslauf genauso abgekürzt hatte, tatsächlich an dem Steinehaufen eine Zehe schwerer verletzt hat.

Wir haben die Lizenz vor Ende des zweiten Durchgangs abgeholt und sind zu unserer Tierärztin gefahren. Sie hat festgestellt, dass die Zehe in Ordnung ist und es sich wohl um eine ziemlich heftige Prellung in grossen Bereichen des Körpers handelt. Nichts, wo man eine bestimmte verletzte Stelle festmachen kann, sondern einfach diffuse Schmerzen „überall“.

Glück gehabt.

Trotz all dem Ärger haben wir also noch grosses Glück gehabt! Lilly ist fit und trainiert genug um diesen Crash halbwegs wegzustecken. Etwa zwei Wochen lang wurde sie geschont und alternativmedizinisch versorgt. Dass sie den Angriff auch psychisch weggesteckt hat, hat das Coursing im November in Koszlov/CZ gezeigt, wo sie wie gewohnt gelaufen ist. Sie vertraut ihren Laufpartnern, bzw. kann sie viel schneller „einsortieren“ als unsereins. Sie konzentriert sich nach wie vor auf „Hasi“ und hat Spass am Coursing.

Mein Vertrauen in ein paar Menschen in Österreich ist jedoch nachhaltig gestört. In Zukunft fahre ich gerne wieder ein paar Kilometer weiter wenn ich mich dafür auf sportliche HundehalterInnen verlassen kann.


© 2013 Running Gag Sighthounds • last page-update 2012-11-27 17:09:13 • powered by werkform